
Was tun wir?
Ein (jährliches) Theater-Projekt kann für die Schülerinnen und Schüler EIN Weg sein, diese oben beschriebenen positiven Erfahrungen zu machen.
Das hier vorgestellte Theater-Konzept erhält seine Individualität und Spezifität durch folgende Maxime:
Zu wirklich jedem Zeitpunkt des Projekts wird versucht, die Theatergestaltung
- am herausfordernden Verhalten der Kinder und Jugendlichen (z.B. kurze Aufmerksamkeitsspanne, hohes verbale und körperliches Aggressionspotential, geringe Frustrationstoleranz, Motivationslosigkeit) auszurichten
- und gleichzeitig mit der individuellen Zusammenstellung der Theater-Inhalte ihre Ängste, Bedürfnisse, Wünsche und Fähigkeiten aufzugreifen.
Wandlung von Belastungen in Entlastungen
- Prinzip der Freiwilligkeit, Zeit zum Überlegen und Nachfragen, Einzelgespräche
- Möglichkeiten, sich auf vielfältigste Weise in die Theatergestaltung einzubringen
„Ich bin dabei,
- auch wenn ich nicht vorne auf der Bühne stehe.
- auch wenn ich auf der Bühne nicht laut sprechen möchte usw.“
- bis zum Schluss: Möglichkeit, die übernommene Rolle Stück für Stück passgerechter zu machen
- zeitlich dosierte Einzel- und Kleingruppenproben
- klare Ansagen und Angaben zu zeitlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen, z.B. durch verlässlichen und transparenten Proben-Kalender, den jede beteiligte Person im Vorfeld bekommt. Die Termine werden mit den Lehrkräften abgesprochen und mit den Jugendlichen besprochen.
Begründung:
Lernende mit herausforderndem Verhalten sind nicht per se „geborene Schauspieler“.
Einige Schülerinnen und Schüler empfinden das Groß-Projekt Theater und das „alleine vor anderen auf der Bühne stehen“ weniger als „Freude“, sondern vielmehr als „Belastung“.
Hier gilt es, möglichst viele „Belastungs-Aspekte“ (im Vorfeld) aufzuspüren und in Entlastung umzuwandeln.
Erfahrungen, Bedürfnisse, Ängste, Sehnsüchte der Schülerinnen und Schüler
- sind zentrale Themen des Theaterstücks und
- werden aufgegriffen in einer medialen Präsentation, die in das Theaterstück integriert ist.
Beispiele:
- Wunsch, „gemocht“ zu werden
- Wunsch nach Frieden zuhause und auf der Welt
- Wunsch nach Unbeschwertheit
Begründung:
Ziel des Theaterprojekts ist es, dass
- die Schülerinnen und Schüler „gehört“ werden,
- ihnen durch das Theaterstück eine Ausdrucksmöglichkeit angeboten wird,
- sie sich mit dem Thema identifizieren können und
- das Stück zu ihrem Stück wird.
Was nimmt man wahr?
- Einzelne Schülerinnen und Schüler wachsen während des Projekts über sich hinaus. Sie haben hinter oder auf der Bühne wertvolle Erfolgserlebnisse (Ich-Stärkung).
- Die mediale Präsentation mit Stimmen und Fotos der Schülerinnen und Schüler berührt diese selbst und auch das Publikum und stellt eine sehr wichtige Ausdrucksform im Theater-Projekt dar (Ich-Stärkung).
- Lehrkräfte und Lernende verschiedener Klassen lernen sich kennen und schätzen (Wir-Stärkung).
- Die Arbeit an einem gemeinsamen Projekt (Vorfreude, Stress, Aufregung, Fokussierung, Stolz) verbindet und stärkt das Gemeinschaftsgefühl (Wir-Stärkung).
- Das jährliche Theater-Projekt wird zum Ritual. Es ist während des gesamten Schuljahres präsent – in Gesprächen, Fotocollagen oder Videos. Die Schülerinnen und Schüler zehren lange Zeit danach noch davon, so dass es das Schulleben nachhaltig prägt.
- In (schwierigen) Situationen im Unterrichtsalltag kann auf die Erfolgserlebnisse während des Theater-Projekts zurückgegriffen werden. Diese gilt es dann bei Schülerinnen und Schülern bewusst wieder in Erinnerung zu rufen: „Du kannst was. Du hast es gezeigt“.

Theater begleitende Powerpoint
Begleitend zum Theater wird den Zuschauern eine erklärende Powerpoint-Präsentation gezeigt.
Drehbuch
Alle Akteure und Akteurinnen erhalten ein Drehbuch mit Spiralbindung.
Einladung
Eine Klasse übernimmt die Gestaltung der Einladungskarten.
Rollenverteilung
Die Rollenverteilung findet im gemeinsamen Gespräch statt.
Begrüßungs- und Schlusstext
Jugendliche übernehmen die Begrüßung und Verabschiedung.
Schülerstimme
Warum bist du an der Garellischule? Warum machst du beim Theater mit? Ein Schüler berichtet. (3:39 min.)

Theater spielen heißt: auf das Gegenüber achten.

Dieser Artikel ist ein Baustein der ISB-Veröffentlichung
Haltung und Handlungssicherheit –
Schulentwicklung bei herausforderndem Verhalten.