Aller Anfang ist schwer

Tagebuch eines Schulentwicklungsprozesses

Eine ehemalige Mitarbeiterin unseres Arbeitskreises stellt den Schulentwicklungsprozess an ihrem SFZ dar.
Um offen und transparent berichten zu können, hat sich die Autorin dazu entschieden, den Artikel ohne Nennung der Schule zu veröffentlichen.
Die Beschreibung steht zum einen beispielhaft für die Mühen und Grenzen, aber auch Erfolge und Fortschritte einer Schule, die sich auf den Weg gemacht hat, dem herausfordernden Verhalten der Schülerinnen und Schüler zu begegnen.
Zum anderen zeigt die Sichtweise einer aktiv am Schulentwicklungsprozess teilnehmenden Lehrkraft auf humorvolle und lebendige Art die vielfältigen Dynamiken des Geschehens auf.
Und schließlich wird deutlich, wie die in der Theorie von Schulentwicklung genannten Merkmale sich tatsächlich auch in 
Praxiserfahrungen widerspiegeln und bei der Steuerung von Prozessen hilfreich sind.

Die Fakten zur Schule

Sonderpädagogisches Förderzentrum mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache, emotional-soziale Entwicklung

  • großes Haupthaus + Nebengebäude
  • angegliederte Außenstellen: eigenständig arbeitende Schulen mit Klassenstufen 1 - 4 sowie SVE
  • Klassenstufen zwei- bis dreizügig
  • gebundener Ganztag für Klassenstufen 3 - 9
  • MSD für großen Landkreis zuständig 
  • Tätigkeit in der Inklusion
  • 90 Lehrkräfte und rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Der Schulentwicklungsprozess im Detail

Am Anfang jeder Schulentwicklung steht ein Ziel! Abstimmungen im gesamten Kollegium erhöhen die Akzeptanz für ein Konzept.


  • 18. März 2019

    „Wir machen uns auf den Weg“ 

    Die Suche nach einem neuen Konzept

    Heute steht eine Schulhausinterne Fortbildung an.

    Mehr oder weniger gespannt verteilen sich die Kolleginnen und Kollegen in der Aula auf ihren Sitzplätzen und lauschen den Worten der Referenten, die das Konzept „Die neue Autorität“ von Haim Omer vorstellen. In dem zweistündigen Vortrag werden theoretische Grundlagen sowie die praktische Umsetzung an der Schule der Referenten erläutert. Ohne großes Vorwissen zu haben, erhält das Kollegium einen guten ersten Einblick.

     „Und das soll funktionieren?“, hört man die Skeptikerinnen und Skeptiker murmeln. „Für mich ist das nur was, wenn das ganze Kollegium dahintersteht und das wird an unserer großen Schule nie der Fall sein“. „Schon wieder was Neues“ stöhnen einzelne. 

    Doch die große Mehrheit zeigt sich begeistert: „Endlich ein Konzept, das einen nicht allein dastehen lässt“; „Schwierigkeiten mit den Schülern gehen das ganze Kollegium an, nicht nur die Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer.“ „Nicht immer sofort eine Konsequenz aussprechen zu müssen, das spricht mir aus der Seele“.

    „Wir machen uns auf den Weg“ ist das Schlusswort der Konrektorin und gleichzeitig Initiatorin der Fortbildung.

    Fazit: Ein Anfang ist gemacht.


  • März - Juni 2019

    Erste Schritte

    Ein Anfang auf dem Weg zur Entwicklung eines neuen Schulkonzepts ist also gemacht. Doch wie geht dieser Weg weiter?

    Viele Kolleginnen und Kollegen besorgen sich eifrig erste Literatur zum Thema. Es wird gelesen, diskutiert und auch schon fleißig herumprobiert: Präsenzpausen werden ausgerufen, Ankündigungen gemacht, Sit-ins gestartet. Eine klare Linie oder ein einheitliches Vorgehen ist vielen jedoch nicht ersichtlich.

    Ein Arbeitskreis scheint die Lösung. Viele Freiwillige zeigen sich sofort begeistert. Das erste Treffen ist jedoch mehr als ernüchternd. Gerade einmal 8 Kolleginnen und Kollegen nehmen daran teil – in Anbetracht der Größe der Schule eine sehr geringe Zahl. Das wirkt sich auch auf die Motivation der Beteiligten aus. So richtig geht nichts voran in der ersten Sitzung. Außerdem will sich einfach kein zweiter Termin finden, an welchem alle Zeit haben. Und schließlich gibt es ja noch so viele andere Projekte an der Schule…

    Ist damit das Projekt Schulentwicklung jetzt schon gescheitert?

Die Verteilung termingebundener Aufgaben am Ende jeder Sitzung stärkt die Verantwortungsbereitschaft jedes Teammitglieds.

  • März 2020

    Versuch Nummer 2

    Nein – wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Weg. Versuch Nummer zwei wird rund ein halbes Jahr später gestartet: Neuer Arbeitskreis, neue Leitung. Diesmal übernimmt diese die Schulleitung höchstpersönlich, denn das Thema „Umgang mit den Verhaltensoriginellen“ brennt. Dazu ist der Anteil der freiwilligen Mitglieder beträchtlich höher als beim letzten AK. Insgesamt finden sich 25 Kolleginnen und Kollegen beim ersten Treffen ein - zumindest online. Coronabedingt sind die Schulen nämlich geschlossen. Aber wir wollen die Zeit nutzen, wollen vorbereitet sein auf die Rückkehr der Schülerinnen und Schüler. Am besten gleich mit einem fertig ausgearbeiteten Konzept. 

    Wie soll man also anfangen? Und haben wir überhaupt schon die richtige Haltung? Hat jede bzw. jeder genug Hintergrundinformationen zum Thema? Wissen wir denn schon, worüber wir da reden, wenn wir „Stärke statt Macht“ verlangen? 

    Die ersten Diskussionen sind ausufernd: „Man könnte doch Aspekte der Gewaltfreien Kommunikation mit einfließen lassen?“ „In „Klasse Team“ gibt es auch noch viele Ideen zur Interaktion mit Schülerinnen und Schülern“ „Ich habe gelesen, dass….“

    STOPP - zurück zum Thema. Es besteht Nachholbedarf in Sachen „Konzept“. Das kleine grüne Büchlein „Neue Autorität in der Schule“ wird zum ständigen Begleiter der fleißigen AKlerinnen und AKler. Es wird gelesen…gelesen....gelesen.

    Hausaufgabe Nummer 1: Jeder soll sich drei Leitsätze ausdenken, die für ihn das Konzept der neuen Autorität am treffendsten beschreiben. Die sollen dann gleich der Aufhänger am neuen Infoboard im Lehrerzimmer sein, um weitere Mitglieder zu begeistern.

    Drei Leitsätze mal 25 Mitglieder… da gibt es ordentlich Diskussionsbedarf. Welche sind nun wirklich wichtig? Wurde jede Meinung berücksichtigt?  Welche Formulierung ist am geschicktesten – am treffendsten gewählt?  Wird genau das ausgedrückt, was man meint? Jede Lehrkraft, die ein Sonderpädagogikstudium durchlaufen hat, kennt Diskussionen um die richtige Wortwahl und weiß, wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen können.

    Schließlich einigt man sich auf drei Leitsätze - abgestimmt auf die drei Bereiche Beziehung, Prävention und Handlungsebene:


1

Bereich Beziehung

Du bist Uns wichtig!

Wir sorgen für eine tragfähige Beziehung zu unseren Schülerinnen und Schülern und zeigen uns gemeinsam für sie verantwortlich!

2

Bereich Präsenz/Prävention

Wir sehen dich und achten auf deine Bedürfnisse!

Wir sind präsent und achten auf die Bedürfnisse hinter dem Verhalten unserer Schülerinnen und Schüler.

3

Bereich Beharrlichkeit/Handlungsebene

Wir akzeptieren dich, aber nicht jedes Verhalten von dir!

Deshalb bleiben wir als ganzes Team beharrlich an unseren Schülerinnen und Schülern und werden gemeinsam Lösungen finden!




Eine klare Definition von Rollen und Zuständigkeiten im Arbeitskreis hätte hier hilfreich sein können. Einzelne Aufgaben könnten in Untergruppen bearbeitet und dem Gesamtteam vorgestellt werden.


  • ApriL - August 2020

    Sitzungsmarathon

    Sitzungen finden nun regelmäßig statt. Alle zwei Wochen eine neue…. mit vielen Hausaufgaben, mit vielen Diskussionen und am Ende des Schuljahres mit viel Abstand – aber endlich in Präsenz. 

    Schließlich wollen die Leitziele mit Inhalt gefüllt und konkretisiert werden. Mit leeren Worthülsen kann niemand arbeiten. Tatsächlich entsteht ein recht brauchbares Handout mit vielen Tipps im Umgang mit den Schülern vor, während und nach dem Unterricht. Als Devise gilt „Man kann – muss aber nicht“. Alles sind Anregungen, aber keine verbindlichen Vorgehensweisen.

    So wirklich neu ist das Ganze jedoch nicht. Dem, was von vielen durch die Arbeit am Konzept erhofft wurde, nämlich der konkreten Hilfe bei Schwierigkeiten mit Schülerinnen und Schülern, ist man auch nach zahlreichen Sitzungen nicht wirklich nähergekommen. Unzufriedenheit macht sich breit. „Ich habe gedacht, dass wir hier Maßnahmen konkret ausarbeiten und organisieren, dass ich nun weiß, wo ich Hilfe holen kann, wenn es brennt. Im Moment haben wir nicht mehr als pädagogische Tipps zu Papier gebracht.“ „Alles wird hundertmal zerredet, das bringt keinen wirklich weiter.“

    Der Arbeitskreis dünnt ein wenig aus. Aktiv nehmen gegen Ende des Schuljahres weitaus weniger Mitglieder an den Sitzungen teil. Vielleicht liegt das an der Unzufriedenheit mit dem Vorankommen. Vielleicht liegt das aber auch an der Resignation nach einem Schuljahr geprägt durch Distanz- und Wechselunterricht, welches sich nun dem Ende neigt und welches sich so sicher keiner mehr wünscht.

    Denkt man an die vielen Diskussionen, unterschiedlichen Meinungen und Gedanken, die alle auf einen Nenner gebracht werden wollen, kann man der Verkleinerung des AKs auch etwas Positives abgewinnen.

    Klare Festlegung von Tagesordnungspunkten vermeidet das Zerreden von Inhalten. 

  • Oktober 2021

    Neues Schuljahr- neue Motivation und schon wieder eine neue Leitung

    Das erste Treffen des AKs im neuen Schuljahr beginnt. Die Leitung haben inzwischen zwei Kolleginnen übernommen, da die Schulleitung nun leider mehr in die Umsetzung eines Hygienekonzepts als in die eines Schulentwicklungskonzeptes involviert ist. 

    Nach dem Frust einzelner im AK letztes Jahr möchte man mehr praxisorientiert vorgehen. Praxis ist nun ja endlich wieder in Präsenz möglich. Dementsprechend hoch ist die Motivation für den AK und auch der Ruf nach Hilfen im Umgang mit den „Knallern“. 

    Schattenstunden- und Notfallstundenpläne werden entwickelt. Eifrig wird über den Inhalt des Infoboards diskutiert, welches bereits letztes Schuljahr im Lehrerzimmer aufgehängt werden sollte: Man einigt sich auf die Leitziele des AKs, auf den Aushang der Schatten- und Notfallstundenpläne, geplante Ankündigungen, Sit-ins und Infos zu schwierigen Schülern.

    In den Bereichs- und Stufenkonferenzen werden die Ideen des AKs verbreitet und auch Kolleginnen und Kollegen dazu ermuntert, sich in die Schatten- und Notfallstundenpläne einzutragen, die nicht AK-Mitglieder sind.

    Schon in der nächsten Sitzung soll eine Ankündigung an einem Fallbeispiel erarbeitet werden - mit Hilfen zur praktischen Umsetzung, zur Formulierung – dazu ein vorgefertigtes Formular sowie eine Checkliste im Sinne von „Was muss ich im Vorab klären“. 

    Klingt nach einem großen Schritt hin zum Konkreten, zum Brauchbaren, zu dem, mit dem man wirklich arbeiten kann. Doch was bringt all der Praxisbezug, wenn plötzlich die Praxis wegbricht? Jedenfalls die Praxis, die durch einen normalen Schulalltag bedingt ist. Eine Ankündigung beim Online-Lernen macht wohl wenig Sinn...


  • Februar - Mai 2021

    Praxisbezug ohne Praxis… geht das überhaupt?

    Trotz aller Schwierigkeiten wird das Handout zur Ankündigung auf den Weg gebracht. Kleingruppen bilden sich, bearbeiten Aufgaben zur gewünschten Checkliste, feilen an Formulierungshilfen und überlegen Möglichkeiten zur Erstellung eines Formulars. Die zwei Kolleginnen, die die Leitung übernommen haben, entwickeln aus den gesammelten Vorschlägen ein Handout und stellen es in der nächsten Online-Sitzung den Teammitgliedern vor… und alle sind mit dem Ergebnis einverstanden. Kaum zu glauben, bedenkt man die zeitraubenden Diskussionen zu Beginn unseres Schulentwicklungsprozesses. 

    Sind wir nun auf dem richtigen Weg? Jedenfalls wird beschlossen, das „Schweigende Gespräch“ ganz ähnlich wie die Ankündigung zu erarbeiten. Und auch hier ist man mit dem Resultat zufrieden - jedenfalls die Mitglieder des Arbeitskreises. Das Gesamtkollegium weiß nämlich noch nichts von den Vorstößen. Wird es ebenso positiv reagieren?

    Das Kollegium sollte regelmäßig über den Schulentwicklungsprozess informiert werden, da es den Prozess mittragen muss.


  • September 2021 - Februar 2022

    Erste zögerliche Schritte in die praktische Umsetzung

    Ja, den Arbeitskreis gibt es auch in diesem Schuljahr noch. Gleich bei der Anfangskonferenz wird die Arbeit des AKs durch die Schulleitung im Gesamtkollegium vorgestellt. Es gibt nämlich viele neue Gesichter. Da ist der Ruf nach Hilfestellungen gerade im Bereich Verhalten groß. Aber auch die alten Hasen beklagen, dass Disziplinprobleme zunehmen und das Arbeiten nach der langen Zeit des Homeschoolings erschweren. 

    Die theoretischen Grundlagen zu unseren Schulentwicklungszielen sind nun eigentlich gesetzt. Es hat sich einiges getan seit dem letzten Treffen. Neben den bereits erarbeiteten Formularen zu Ankündigung und Sit in sind weitere Arbeitshilfen entstanden. In einem digitalen Ordner findet man nun zum schnellen Nachlesen, wie eine Notfallstundenplan funktioniert, was Schattenstunden bedeuten oder wann man Erziehungspausen einlegen kann. Dazu jede Menge praktischer Formulare, die den Erziehungsalltag an der Schule erleichtern sollen. 

    Die erste Sitzung im neuen Schuljahr findet wieder regen Zuspruch im Kollegium. Der Arbeitskreis hat fast wieder die Größe erreicht, die er zu Beginn hatte. Die Ideen des AKs werden innerhalb der Bereichskonferenzen im ganzen Kollegium verbreitet.

    Hin und wieder werden Präsenzpausen ausgerufen, vor allem dann, wenn die Schwierigkeiten im Pausenhof überhandnehmen. Für die gesamte Schule wird ein Schatten- und Notfallstundenplansystem entwickelt. Fast alle Kolleginnen und Kollegen zeigen sich davon begeistert und tragen die Idee mit. Aufgrund häufiger Vertretungsengpässe ist der in der Schule vorhanden Auszeitraum nämlich häufig nicht besetzt.

    Vereinzelt werden Ankündigungen durchgeführt. Doch hier zeigt sich wieder die Größe der Schule als Problem bei der Organisation. Zu aufwendig erscheint es für viele, genügend Lehrkräfte  zusammen zu bekommen, damit eine Ankündigung, ein schweigendes Gespräch oder ein Sit In die gewünschte Wirkung zeigen. Da greift man lieber auf die üblichen disziplinarischen Maßnahmen zurück. Und natürlich ist das ein gefundenes Fressen für all die Kolleginnen und Kollegen, die dem Konzept eher kritisch gegenüberstehen.

    Kontinuität ist das Ah und Oh bei einem Schulentwicklungsprozess. Dazu zählen auch die kleinen Schritte.

  • März - Juli 2022

    "Jetzt wird's ernst..."

    Wie schafft man es also, die eigentlich gewünschte Präsenzpädagogik fest in den Schulalltag zu integrieren? Stehen die dadurch erzielten Erfolge in Relation zum Mehraufwand, der die Umsetzung des Konzept Haim Omers für viele zunächst bedeutet?  Andererseits - ist die Umsetzung wirklich ein Mehraufwand? Schließlich sollen Maßnahmen ja langfristig wirken. Und macht das Konzept „Stärke statt Macht“ wirklich nur aus, ob man möglichst viele Ankündigungen oder Sit Ins durchführt? 

    Sicher nicht. Denn zentral ist ja die zugrunde liegende Haltung, geprägt von der Gestaltung positiver Beziehungen und vom präsenten, beharrlichen und transparenten Handeln. 

    Dass sich bei der Haltung etwas getan hat, merkt man bei den zahlreichen Fallbesprechungen, die im Arbeitskreis seit Beginn dieses Schuljahres regelmäßig stattfinden. Die Hilfsbereitschaft im Kollegium ist groß, die Bereitwilligkeit, andere bei schwierigen Fällen zu unterstützen, enorm. Und dabei steht das Wohl von Schülerinnen und Schülern und der Kolleginnen und Kollegen stets im Vordergrund. Einzig die Realisierung von Maßnahmen, die die Präsenz mehrerer Kollegen erfordern, gestaltet sich weiterhin als schwierig.

    Wie kann die Organisation einzelner Maßnahmen also schnell und effektiv gelingen? Wie kann die Präsenz und Transparenz im Kollegium erhöht werden? Das wird bei der nächsten Sitzung des AKs zum Thema gemacht.  Man einigt sich auf die Bildung einer Gruppe in einem sicheren Messangerdienst, die die rasche Organisation der Bausteine Sit In und Ankündigung ermöglichen soll. Jeder und jede, der oder die möchte, kann beitreten. Zusätzlich soll das gesamte Kollegium regelmäßig über aktuell laufende Maßnahmen per Mail und über das Infoboard im Lehrerzimmer informiert werden. 

    Schwierig gestaltet sich inzwischen für die Leiterinnen des AKs, dass die Mitglieder der Schulleitung an den Sitzungen häufig nicht teilnehmen können. Und das hat eine entscheidende Auswirkung. Termine und Absprachen werden nun auch von den übrigen AK-Mitgliedern nicht mehr ganz so verbindlich wahrgenommen. Der Schulentwicklungsprozess verliert an Priorität. Hoffentlich nur eine Phase, begründet durch die hohe Arbeitsbelastung in unserem Leitungsteam. Eine Konrektorenstelle ist seit Schuljahresanfang unbesetzt. Da müssen natürlich einige Löcher gestopft werden - auf Kosten unseres Schulentwicklungsprozesses.

    Neben einem motivierten Kollegium braucht es eine Schulleitung, die hinter dem Schulentwicklungsprozess steht.


  • September 2023 - ...

    Unser Fazit

    Neues Schuljahr… Die Kräfte sind wieder aufgeladen. Wir haben endlich einen neuen Konrektor und der AK startet im November mit seiner ersten Sitzung. Die macht sich gleich zum Inhalt, Erarbeitetes zu wiederholen, um neue Kollegen und alte Hasen auf den gleichen Stand zu bringen. Schatten- und Notfallstundenpläne werden aufgestellt. Eine gewisse Routine stellt sich ein. Haim Omer scheint an der Schule angekommen zu sein.

    Es ist Zeit, Resümee zu ziehen über einen Schulentwicklungsprozess, der seinen Anfang 2019 genommen hat, der nun nach drei Jahren aber keinesfalls für beendet erklärt werden kann. Die Worte Entwicklung und Prozess sind wohl auch schlecht mit dem Wort Ende in Einklang zu bringen.

    Was würden wir mit dem Wissen von jetzt also von Beginn an anders machen? Woran würden wir festhalten? Was könnten wir anderen als Hilfestellung geben, die sich auch auf den Weg machen wollen?

    Wir haben viel auf Freiwilligkeit gesetzt. Alle erarbeiteten Maßnahmen waren als Angebot an die Kolleginnen und Kollegen zu verstehen, nicht als Verpflichtung – immer mit dem Hintergedanken, dass man eine Änderung der so wichtigen zugrunde liegenden Haltung nicht erzwingen kann. Letztendlich konnten wir damit über die Jahre hinweg sehr viele Kolleginnen und Kollegen überzeugen und für das Konzept begeistern. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind nach wie vor aber nicht alle mit im Boot. Ob das Ergebnis ein anderes gewesen wäre, hätten wir das Konzept verpflichtend eingeführt, ist fraglich.

    Ganz nach dem Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ war unser Arbeitskreis phasenweise viel zu groß. Viel wurde zerredet und wenig in die Tat umgesetzt, was bei einigen zu Unzufriedenheiten führte. Eine klarere Aufgabenverteilung in kleineren Gruppen, die Festsetzung eines Zeitplans sowie die Festlegung einzelner Arbeitsschritte hätten hier Abhilfe schaffen können. Natürlich immer in Absprache mit dem gesamten Team und mit stetiger Information unseres Lehrerkollegiums.

    Wie wichtig es ist, dass die Schulleitung hinter den eingeführten Maßnahmen steht, konnten wir im letzten Schuljahr feststellen. Fehlt deren Unterstützung oder auch nur deren Präsenz, wie in unserem Fall, verliert der gesamte Prozess an Dynamik und Priorität.

    Und letztendlich – Was wäre Schulentwicklung ohne eine Reihe engagierter und motivierter Kolleginnen und Kollegen? Die schon fast mantraartig die Säulen der neuen Autorität herunterbeten. Die dafür sorgen, dass kritische Stimmen gehört oder beschwichtigt werden. Die immer wieder daran erinnern, dass das Infoboard im Lehrerzimmer keine reine Wanddekoration ist, sondern auch mit Informationen gefüttert werden will...

     Rückblickend kann ich sagen, unsere Arbeit hat sich ausgezahlt. Ich fühle mich sicherer in meinem Handeln. Ich weiß, dass mir bei Schwierigkeiten eine Reihe von Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung steht. Ich weiß, dass ich bei meinem Handeln stets in Beziehung mit dem Schüler oder der Schülerin bleiben kann. Ich weiß, dass ich nicht sofort handeln muss, sondern überlegt und klar. Und ich weiß, dass es eine ganze Reihe verlässlicher Kolleginnen und Kollegen gibt, die mich verstehen und mich in meinem Handeln unterstützen.

Dieser Artikel ist ein Baustein der ISB-Veröffentlichung

Haltung und Handlungssicherheit –

Schulentwicklung bei herausforderndem Verhalten.

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